Nach Ellie Edler-Busch in ihrem Buch "Flötenklang".
Werner Soranjo Lang, Berlin: 030 / 786 21 00;
www.welang.de
Die von Frau Ellie Edler - Busch sog. Balancehaltung der Querflöte bringt dem Spieler verschiedene Vorteile:
Die Finger werden weitgehend von Haltungsaufgaben befreit, wodurch sie deutlich beweglicher werden.
Gleichzeitig wird die Flöte stabiler, die Stabilität der Flöte wird unabhängiger davon, wieviele bzw welche Klappen
gerade betätigt werden. (Wodurch z.B. auch die typische Anfängerneigung zum Anpressen der Flöte gegen die Lippen
vermindert wird, weiterhin sich auch die Intonation des mittleren C# und seiner Nachbartöne verbessert).
Und das Wichtigste: Das Erreichen eines fülligen, angenehmen Tons wird erleichtert.
I) Zur "normalen Haltung" (Mundloch in einer Linie mit der Mehrzahl der Klappen):
Halte die Flöte mit der rechten Hand in Spielposition. Lege sie zusätzlich auf den ausgestreckten Zeigefinger links,
und zwar so, daß die Flöte auf dem Zeigefinger rollen kann. Nun hebe nacheinander die Finger der rechten Hand hoch,
zuletzt den kl. Finger.
Resultat: Die Flöte rollt zu Dir hin.
Diese (derzeit gebräuchlichste) Einstellung der Flöte mit dem Mundloch in Peillinie mit den Klappen hat offensichtlich
ein Grundproblem:
SIE ARBEITET GEGEN DIE SCHWERKRAFT!
Dieses Grundproblem, das Arbeiten gegen die Schwerkraft, erfordert zwangsläufig einen Ausgleich durch den Spieler:
Diese Nachteile können durch Üben weitgehend optimiert werden. Es ist aber sinnvoller, das Grundproblem (gegen die Schwerkraft zu arbeiten) zu eliminieren, anstatt die durch das Grundproblem entstehenden Symptome mühsam zu optimieren. Wobei die Tonfülle bei den meisten SpielerInnen, auch bei geübten, in der Balancehaltung zunimmt.
II) Zur Balance-Haltung:
Es ist möglich, die Schwerkraft zum Balancieren der Flöte zu benutzen. In dieser Haltung ist es dann prinzipiell möglich, die Flöte nur noch durch zwei Punkte zu halten: Durch den Zeigefinger links und den Daumen rechts. (In der tatsächlichen Spielpraxis kommt dann noch eine minimale Stütze durch die Lippen.)
Alle genannten Nachteile entfallen dann: Die Finger müssen nur noch spielen, nicht mehr die Flöte halten, die optimale Verbindung Lippen zu Mundloch wird spontaner und leichter gefunden, dadurch klingt die Flöte voller, fülliger, generell angenehmer. Das Cis stimmt wesentlich besser.
Die Umsetzung dieser Haltung:
Lege die Flöte auf Deine beiden Zeigefinger, derart, daß sie hin und her rollen kann. Balanciere die Flöte so, daß die beiden Längsstangen oben sind, aber nicht ganz in der Mitte liegen, sondern etwas mehr zu Dir versetzt sind.
Die Flöte kann in dieser Lage stabil liegen und wird durch die Schwerkraft gehalten. Sie hat also keine Neigung mehr (bzw wesentlich weniger), nach links oder rechts zu rollen, obwohl die Längsstangen und Mechaniken immer noch oben liegen.
In dieser Gleichgewichtslage wird die Flöte auch im Spiel gehalten!
Wichtig dabei: Das Verhältnis des Mundlochs zu den Lippen bleibt prinzipiell gleich. Um dieses Verhältnis Lippen zu Mundloch gleich zu lassen, muß das Mittelstück der Flöte (zusammen mit dem Flötenfuß) sehr weit ausgedreht werden.
Als Anhaltspunkt der richtigen Ausdrehung des Mittelstücks zum Kopfstück nehme die längere der beiden Längstangen (die, die näher zu Dir liegt): Ihre gedachte Verlängerung bildet den Beginn des Mundloches (dem Beginn des Mundlochs von Dir, dem Spieler aus gesehen).
In der neuen Haltung sinkt der linke Arm nach unten, der rechte greift etwas mehr von oben ("Kirschen aus Nachbars Garten"). Der Zeigefinger links stützt die Flöte mehr von unten, drückt weniger von der Seite (falls er das nicht sowieso schon bei Dir macht.)
Jede Umstellung braucht etwas Zeit, und das Neue ist ungewohnt. Die Umstellung funktioniert nach meiner Erfahrung (je nach Spieler) aber innerhalb weniger Augenblicke bis zu ein paar Spielstunden. Die Belohnung ist ein schönerer Ton und ein wesentlich freieres Fingerspiel. Schwierigkeiten im Ton ergeben sich nur dann, wenn Du (von Deiner alten Haltung ausgehend) das Mundloch zu sehr eindrehst.
Manchmal erscheint SpielerInnen diese Haltung so ungewohnt, daß sie diese neue Haltung erstmal ablehnen. Gleichzeitig möchten sie die Vorteile aber nützen, drehen also das Mittelstück der Flöte schon etwas aus. Nach einiger Zeit merken sie, das es tatsächlich noch besser funktioniert, wenn sie das Mittelstück noch etwas weiter ausdrehen usw., bis sie dann irgendwann bei der Balancehaltung angelangt sind.
Sinnvoller ist es, eine vollständige Änderung mit einem Schlag vorzunehmen. Die Umstellung braucht dann unterm Strich nur einen Bruchteil der Zeit. Hat man sich an die neue Haltung gewöhnt, wird sie als natürlicher empfunden.
Wenn Du nach einigen Wochen eine bestimmte Routine mit dieser Haltung hast, kannst Du eine Feinabstimmung durchführen: Die Haltung ist dann korrekt, wenn Du im Spiel beim Cis in der zweiten Oktave auch noch den kl. Finger hochheben kannst, so daß alle Finger oben sind. Spiele also z.B. die Töne A, H, Cis und halte nun das Cis aus. Hebe nun als letzten Finger auch noch den kleinen Finger rechts. Wenn das Cis in Klang und Intonation gleichbleibt und auch die Flöte unverändert stabil bleibt, dann stimmt die Haltung vollständig. Du kannst also jetzt den kleinen Finger heben und senken, der Klang und die Stabilität der Flöte bleiben gleich. Achte auch darauf, daß der Zeigefinger links die Flöte nur so minimal an die Lippen setzt, daß ein weicher, leichter Kontakt zwischen den Lippen und dem Mundstück gegeben ist. Falls bei diesem Hochheben des kl. Fingers die Flöte anfängt, zu rollen, oder falls Du zum Halten die Flöte verstärkt (mit dem Zeigedinger links) gegen die Lippen drücken musst, dann ist die Haltung noch nicht ganz perfekt. In diesem Fall musst Du die Ausdrehung des Mittelstücks noch korrigieren, und zwar in die Gegenrichtung des Rollens.
Diese Feinabstimmung braucht aber wie gesagt Zeit. Die beschriebenen Vorteile beginnen auch schon dann zu greifen, wenn Du Deine Haltung in Richtung dieser Idealhaltung veränderst.
Viel Spaß und Erfolg mit der neuen Haltung
Werner
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